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blz 03 / 2015Wir müssen kämpfen

Der Kita-Streik im Jahr 1990 und die Tarifrunde 2015

01.03.2015 - Christiane Weißhoff, Vorstandsbereich Kinder-, Jugendhilfe und Sozialarbeit

Keinen Kindergartentag ohne den Tarifvertrag« – Während des fast elfwöchigen Berliner Kita-Streiks im Jahr 1990 wurde dieser Ausspruch geprägt und durch zahlreiche Aktionen in der Stadt bekannt. Noch jetzt, nach 25 Jahren, sind die unterschiedlichsten Erinnerungen präsent: die Kraft dieses Arbeitskampfes, die Ausdauer, die Solidarität, aber auch das Unverständnis, wie Politik reagiert und weiterhin nicht ausreichend in den Kitabereich investiert hat. Woche für Woche kämpften damals die Berliner ErzieherInnen im bisher längsten Streik im öffentlichen Dienst in der Bundesrepublik Deutschland für eine Verbesserung der Bedingungen in den Kindertages-stätten. In dieser Auseinandersetzung zeigten die Frauen, männliche Erzieher gab es nur sehr wenige, ein enormes Stehvermögen.

Der Streik vor 25 Jahren

Im Januar 1990 ging es los mit dem unbefristeten Streik. Fast alle öffentlichen Kitas in den ehemaligen Westberliner Bezirken mit rund 5.000 KollegInnen beteiligten sich. Ziel des Kita-Streiks war der Abschluss eines Tarifvertrages über die Arbeitsbedingungen. In ihm sollten Gruppengröße und Personalschlüssel, Zeiten für Vor- und Nachbereitung, Fort- und Weiterbildung geregelt werden.

Unmittelbares Streikziel war aber erst einmal die Aufnahme von Tarifverhandlungen, die der rot-grüne Senat aber verweigerte.

Der Streik war in den ersten Wochen von einer riesigen Begeisterung und großem Engagement getragen.

Er wurde lange Zeit vom Landeselternausschuss (LEAK) unterstützt und unsere Forderungen wurden in der (Fach-)Öffentlichkeit als hoch, aber berechtigt anerkannt. Dennoch gelang es nicht, den Senat zur Aufnahme von Tarifverhandlungen zu bewe-gen. Am 27. März 1990 musste der Arbeitskampf nach über 11 Wochen leider erfolglos beendet werden. Und es dauerte noch einige Zeit, bis wieder Bewegung in diese Sache kam. Manchmal braucht es einen langen Atem, nicht alles gelingt im ersten Anlauf. Aber ohne den ersten Anlauf wird erst recht nichts.

1992 erklärte sich schließlich der damalige Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) bereit, mit den Gewerkschaften den sogenannten »Mini-Tarifvertrag« abzuschließen. In ihm waren vor allem die Vor- und Nachbereitungszeiten geregelt, aber ohne Personalausgleich und mit dem Vorrang der »Betreuung« vor dem Anspruch auf Vor- und Nachbereitung. Immerhin ein erster Schritt.

Auch in den nächsten Jahren stand die Personalausstattung der Kitas stets im Zentrum der gewerkschaftlichen Forderungen. Es gab zahlreiche Veranstaltungen und Aktivitäten, die immer die Arbeitsbedingungen in den Kitas zum Inhalt hatten. Denn für die GEW BERLIN als Bildungsgewerkschaft ist dieses Thema aus zwei Gründen von besonderer Bedeutung: Wir unterstützen die Qualitätsentwicklung und die Kitas als frühkindliche Bildungseinrichtungen. Aber wir wollen und müssen gleichermaßen auch die Arbeitsbedingungen der ErzieherInnen und der LeiterInnen verbessern.

Ausblick auf die Tarifrunde 2015

Erst 2010, zwanzig Jahre nach dem Streik, konnte endlich ein Ziel des Kita-Streiks durchgesetzt werden: eine verbesserte Personalausstattung für die Kitas. Dies konnte erreicht werden, weil es einen breiten Zusammenschluss mit dem Berliner Kitabündnis, den Elterninitiativen und vielen engagierten Einzelpersonen gab. Doch mit diesen Verbesserungen sind unsere Forderungen noch nicht erfüllt, es braucht weitere Veränderungen, damit sich die Arbeitsbedingungen positiv entwickeln und wir eine gute pädagogische Arbeit umsetzen können.

Qualität ist die eine Seite, die andere Seite ist eine gute und gerechte Bezahlung unserer Arbeit. Die Tarifrunde für eine Erhöhung der Entgelte für den öffentlichen Dienst der Länder ist im vollen Gange. Die GEW fordert 5,5 Prozent mehr für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst, also auch für alle ErzieherInnen und SozialpädagogInnen. Gerade wir Frauen, die nach wie vor überwiegend in den sozialpädagogischen Arbeitsfeldern tätig sind, müssen für diese Forderung auf die Straße gehen und den ArbeitgeberInnen deutlich machen, dass unsere Arbeit mehr wert ist.

ErzieherInnen verfügen über vielfältige Erfahrungen im Kampf um bessere Arbeitsbedingungen. Vor über 25 Jahren haben wir sehr eindrücklich gezeigt, dass wir bereit sind, für unsere Forderungen auf die Straße zu gehen. In der Tarifauseinandersetzung setzen wir auf diese Kraft und rufen alle KollegInnen aus den sozialpädagogischen Bereichen auf, mit uns im Tarifkampf aktiv zu werden.

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