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bbz 04-05 / 2018Politik für alle

Seit 2010 hat sich eine Schüler*inneninitiative für ein eigenständiges Schulfach Politik eingesetzt. Nun haben sie ihr Ziel erreicht.

01.04.2018 - Franz Kloth

Angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen ist es gar nicht von der Hand zu weisen: Wir brauchen politische Bildung als Schulfach. Die Extremismusbereitschaft unter Jugendlichen kann nur dadurch gesenkt werden, dass Schülerinnen und Schüler sich mehr und differenzierter mit Politik beschäftigen, und zwar nicht nur in der gymnasialen Oberstufe. Auch Schüler*innen der Sekundarstufe I, die die Schule vielleicht nicht bis zum Abitur besuchen, sollte das Privileg politischer Bildung zuteilwerden. Politik darf kein Elitenfach sein.

Die Verkündung der Einführung des Faches Politische Bildung am 24. Januar war also ein Meilenstein. Bereits im Schuljahr 2018/19 soll das Fach endlich eine eigene Zeugnisnote bekommen. Dieser Erfolg geht auf eine Initiative des Landesschülerausschusses (LSA) von vor neun Jahren (!) zurück.

Die Vorteile eines eigenständigen Fachs Politik sind zahlreich: Endlich können Politiklehrer*innen das Fach unterrichten, das sie studiert haben. Sie können in eigenen Fachkonferenzen Forderungen nach Mitteln aus dem Schuletat stellen. Im Vorbereitungsdienst (Referendariat) werden Politiklehrkräfte nicht mehr mit und von Geschichtslehrenden ausgebildet, sondern von Politiklehrer*innen. Verbände der außerschulischen politischen Bildung finden bei den Politiklehrkräften endlich konkrete Adressen für Kooperationen. Bisher war das immer vom Wohlwollen der Klassenleitungen abhängig. Und mit den Lehrer*‘innen eines eigenständigen Politik-Fachs gibt es endlich richtige »Hauptverantwortliche« für Demokratieerziehung an jeder Schule. Wenn es keine*n Hauptverantwortliche*n gibt, macht es keine*r. Außerdem könnten Politikunterricht und Politiklehrer*innen zur Keimzelle für eine gestärkte Schüler*innenvertretungs-Arbeit werden.

In der vorgestellten Lösung gibt es keinen Aufwuchs der Stundentafel und somit keine Mehrbelastung der Beteiligten. Die Stunde für politische Bildung wird je nach Interesse der Schule mit Profilstunden oder Lösungen innerhalb des aktuellen Stundenhaushalts der Gesellschaftswissenschaften (GeWi) abgedeckt. Hierfür haben wir uns als Landesschülerausschuss eingesetzt.

Die Kontingentlösung sieht vor, dass die aktuell in GeWi zusammengefassten Fächer Erdkunde, Philosophie und Sozialkunde in der Integrierten Sekundarstufe (ISS) und das Fach Geschichte/Politische Bildung am Gymnasium aufgelöst werden sollen. Stattdessen müssen die Fächer in jedem Jahrgang einzeln unterrichtet und mit Zeugnisnoten ausgewiesen werden. Die Lernbereiche wurden bisher besonders vom stärkeren Bereich Geschichte dominiert. Geografie und besonders Politische Bildung fielen dabei herunter.

Nun können wir uns gemeinsam lieber dem Grundproblem zuwenden. Egal, wie wir die Stunden verteilen: Das Grundproblem bleiben die fehlenden Lehrkräfte. Das Streiten um Stundentafeln übersieht, dass die Schulen miserabel ausgerüstet sind. Erst wenn genügend Lehrkräfte da sind, bringen uns feste Lösungen überhaupt etwas.

Daher halten wir es beim LSA für sehr pragmatisch, dass die Verwaltung mit uns nun das Kontingent formuliert hat, in dem die Schulen demokratisch, das heißt unter Einbeziehung der Lehrkräfte-, Eltern- und Schüler*innenvertretung, über die individuelle Ausgestaltung abstimmen können. Es soll Maximal- und Minimalstundenzahlen geben, mit denen die Fächer je nach Fachbereichsstärke unterschiedlich intensiv unterrichtet werden können. Der LSA setzt sich dafür ein, dass diese Werte nicht zu große Spannweiten erlauben, sodass die Fächer möglichst gleich stark unterrichtet werden.

Die politischen Verhandlungen der Fachverbände der Lehrkräfte mit der Senatsverwaltung waren für uns Schüler*innen teilweise nicht transparent genug. Kindische Machtspiele und irrsinnig aufwendige Reihen von Pressemitteilungen ersetzten weitere offene und ehrliche Gesprächsrunden aller Beteiligten.

Wir möchten deshalb künftig den direkten Dialog und häufigere gemeinsame Verhandlungen von Schüler*innen und Lehrkräften mit der Senatsverwaltung – und der GEW – forcieren.

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